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Das Oboussier-Projekt
zum Zupfmusik-Festival 100 Jahre ZVS

Der Anfang
Im März 2021 las ich bei www.hellozurich.ch einen interessanten aber auch traurigen Artikel  über einen renommierten Schweizer Komponisten und Musikkritiker, der 1957 in Zürich ermordet wurde: Robert Oboussier. Zürich war entsetzt.

Dann kam an die Öffentlichkeit, dass Oboussier homosexuell war und im Milieu von einem Stricher ermordet wurde. Nun war Zürich entsetzt über Robert Oboussier. Und nicht nur er als Person, sondern auch sein Werk, das vorher sehr geschätzt und oft in der Tonhalle zu hören war, wurde fortan nahezu totgeschwiegen.

Der Mensch
Wer war Robert Oboussier? Im Jahr 1900 wurde er als Sohn einer Deutschen und eines Auslandsschweizers in Antwerpen geboren und wuchs in Deutschland auf. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs zog er nach Zürich, um am Konservatorium zu studieren. Später setzte er seine Studien in Berlin fort.

Von 1922 bis 1933 arbeitete er als freier Komponist und Musikkritiker in verschiedenen europäischen Städten, und ab 1933 in Berlin als erfolgreicher Musikredaktor bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung. In dieser Funktion engagierte er sich für Mendelssohn, Schönberg und andere Komponisten, die zunehmend in das Visier der aufsteigenden Nazis gerieten und deren Werke später verboten wurden.

Aufgrund der immer stärker werdenden Repressionen der Nazis verliess Oboussier 1939 Berlin und kehrte nach Zürich zurück. Als Leiter des Zentralarchivs schweizerischer Tonkunst war er ab 1942 am Aufbau der SUISA beteiligt und ab 1954 auch Mitglied des Vorstands. Neben der Veröffentlichung vieler beachteter Rezensionen und Essays, standen in den 40er und 50er Jahren Oboussiers Kompositionen regelmässig auf dem Programm internationaler Konzerthäuser.

«Nicht einmal Oboussiers engste Freunde sollten geahnt haben, dass er homosexuell war.» schrieb Chris Walton im Tages-Anzeiger 2007. Seit 1942 waren homosexuelle Handlungen in der Schweiz offiziell legal, aber trotzdem musste mit einer grossen gesellschaftlichen Ächtung gerechnet werden, was viele ins Verborgene trieb.

Die Reaktion vieler Menschen auf den Mord war ein trauriger Spiegel dieser Ächtung, und selbst die Behörden reagierten mit Repressionen gegen Homosexuelle, die über Jahre anhielten. Sie richteten sich u.a. gegen die Organisation «Der Kreis», was der gleichnamige Film des Schweizer Regisseurs Stefan Haupt sehr einfühlsam und klar erzählt. Zentral im Film ist die Lebens- und Liebesgeschichte von Ernst Ostertag und Röbi Rapp, die auch als Zeitzeugen in Interviews zu sehen sind.

Das Projekt
Durch zupf.helvetica  und das Zupfmusik-Festival war ich für Schweizer Komponist:innen sensibilisiert und recherchierte über die Musik von Oboussier. Viel fand ich nicht, einige Choral-Werke und «Fünf Abbreviationen» für Klavier von 1938 .

Bei der Paul Sacher Stiftung für zeitgenössische Musik in Basel fand ich Hinweise, dass es eigentlich 25 Abbreviationen sind und erhielt den Tipp, dass es sie auch in der Zentralbibliothek Zürich gäbe. Wenige Tage später hatte ich die Noten in der Post. Wäre das etwas fürs MOZ?

Um diese Frage zu beantworten, holte ich mir professionelle Hilfe von Christian Wernicke, Freund, Dirigent von zupf.helvetica und selbst erfahrener Interpret zeitgenössischer Musik mit dem ALEPH Gitarrenquartett. Er fand das Werk interessant und erarbeitete im Auftrag davon elf Sätze. Im September 2021 lagen die Noten vor. Mit dem Dirigenten Thomas Mertin begann das MOZ seine «Forschungs-Reise» im November 2021.

Auf www.schwulengeschichte.ch fand ich einen umfangreichen Artikel über Oboussier (meine Hauptquelle), dessen Autor offenbar «Ohrenzeuge» war. Einen Tag nach einer Mail an die Homepage erhielt ich eine Antwort von: Ernst Ostertag, dem Autor, beginnend mit: «Sie haben mir eine ganz grosse Freude bereitet.»

Die Abbreviationen
Die Sätze sind mit römischen Zahlen nummeriert und es werden I, III, VII, VIII, X, XII, XIII, XX, XXII und XXIV gespielt. Klassisch sind die Tempobezeichnungen wie Moderato maestoso, Sostenuto misterioso oder Alla marcia. Weniger klassisch sind die ständigen Taktwechsel; fast jeder Satz ist anders und es sind nicht weniger als 7 verschiedene Taktarten von 5/2 über 12/8 und 5/4 bis 7/4 in den zehn Sätzen.

Die einzelnen Sätze sind jeweils sehr kurz, was an Anton Webern erinnert, einen Schüler von Schönberg. Viele der Sätze bestehen aus nicht mehr als 4 Takten und der längste gespielte Satz hat 15 Takte. Was sonst sollte man von Abbreviationen auch anderes erwarten als etwas abzukürzen?

Neben homophonen Satzstrukturen sind immer wieder barocke Kompositionstechnik, Polyphonie, Kontrapunkt und Orgelpunkt zu erkennen. Manche der Sätze sind dialogisch angelegt. Die Komposition ist nicht streng zwölftönig, sondern geht frei mit dem harmonischen Material um.

Im Charakter sind die Sätze sehr unterschiedlich und scheinen mutmassliche Vorbilder wie eine Toccata, einen Tanz, eine einfache Melodie mit Begleitung oder eine Improvisation zu zitieren.

Auf dem Zupfmusik-Festival des ZVS in Zürich werden die Abbreviationen vom MOZ vorgestellt – im Konzert «Festlicher Auftakt» am Samstag, 02. April 2022 um 14:00.
Tickets und weitere Informationen auf der Seite des ZVS.

Ein grosses Danke an alle, die das Werk mit Leben gefüllt haben!

Nanni Jelinek, Präsidentin MOZ

Quellen
www.hellozurich.ch; www.schwulengeschichte.ch; Historisches Lexikon der Schweiz;
Chris Walton: Tages-Anzeiger, Zürich, 8. Juni 2007, «Das Doppelleben eines Komponisten»


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